Essays


Wer sich eingehender mit Mittelerde und Tolkien beschäftig, findet so manches Thema, das der Betrachtung lohnt.
Wer sich berufen fühlt ebenfalls ein bisschen zu spekulieren, der ist herzlich eingeladen.

Thema

Leseprobe


Mittelerde - Die Guten und die Bösen.
Eine reine Schwarz-Weiß-Malerei?

Diese Beispiele sollten genügen, um sichtbar zu machen, dass es bei Tolkien keineswegs so deutlich zugeht, wie gerne behauptet wird.
Lassen wir ihn hier selbst zu Wort kommen. "In my story I do not deal in Absolute Evil. I do not think there is such a thing ... I do not think that at any rate any 'rational being' is wholly evil."

Für das absolut Gute dürfte bei Tolkien dasselbe gegolten haben. Einzig Eru ist über alle Zweifel erhaben; aber er tritt nicht in Erscheinung. Jedenfalls nicht, bevor das Ende der Zeit gekommen ist. Er lässt seiner Schöpfung Raum und seinen Geschöpfen ihren freien Willen – wie sie dieses Geschenk nutzen, liegt in ihrer Hand. Und das heißt, es kann daraus Gutes und Böses erwachsen!



Krege versus Carroux?
Oder – die Crux mit der Neuübersetzung


Aber genau das ist auch der Knackpunkt. Wo Krege Carroux einen neutralen Ton vorwirft, schießt er über das Ziel hinaus, was die weiter unten folgenden Beispiele deutlich machen werden. Zudem kann ich persönlich in der alten Übersetzung nichts Gedämpftes (sollte es vielleicht sogar "Langweiliges" heißen?) entdecken. Der altertümliche Stil kommt Tolkien meines Erachtens nahe genug und trifft das Original allemal besser, als unsere aktuelle Ausdrucksweise. Aber wie heißt es so schön (und wird auch mit Vorliebe praktiziert): mit dem Zeitgeist gehen.

Als Beleg sei hier nur das unsägliche "Chef" angeführt. "Herr" (verstanden als Bezeichnung eines Höhergestellten und nicht wie im allgemeinen höflichen Sprachgebrauch in der Form von Herr Meier oder Herr Schulze) darf in Zeiten der political correctness wohl nicht mehr gesagt werden, das "Chef" hat da etwas Vertrauteres (seltsamerweise ist Krege nicht konsequent, so dass sich das ein oder andere "Herr" dann doch eingeschlichen hat), und auch "das Balrog" (das Feuerdämon?) erscheint mir mehr als seltsam, hat sich aber eingebürgert, wie viele Fanfictions deutlich machen.



Partnerschaft unter Elben
- oder, warum Legolas die Masse an Mary Sue's gar nicht würde bewältigen wollen.


Elben wählen ihren Gatten nur einmal, und dann für das ganze Leben (und darüber hinaus). Also könnte Legolas nicht wild rummachen, mal mit der und mal mit der, wie man oft liest. Na, ja.
Eine Einzige Ausnahme gab es und zwar bei Finwe. Als in Valinor seine erste Gattin, Miriel Serinde, nach der Geburt Feanors beschloss, ihren des Lebens müden Körper ausdrücklich FÜR IMMER zu verlassen, dufte dieser dann die Vanya Indis heiraten (allerdings erst nach großem Palaver unter den Valar). Deren Kinder waren dann zwei Töchter, Findis und Lalwende, und zwei Söhne, Artafinwe (Finarfin) und Nolofinwe (Fingolfin).



Das Legolas-Phänomen

Doch warum ist es gerade dieser filigrane, fast schon androgyne Typ, der die Mädels hysterisch kreischen lässt, wenn er sich zeigt? Auch ich kann mich – ich gestehe es – seinem Charme nicht entziehen.
Die Menge an Legolas-Geschichten und Mary-Sues auf den Fan-Seiten spricht ebenfalls Bände.
Warum ist es nicht ein Boromir in seiner kraftvollen Männlichkeit, an dessen breiter Brust sich sicher gut ruhen lässt?
Warum ist es nicht ein Aragorn mit seiner zurückhaltenden Stärke, seinem Mut, seiner Verwegenheit und seiner Weisheit?



Gollum - Nur eine abscheuliche Kreatur?

Von jetzt an wandelte sich Smeagols Leben radikal. Erschreckende Veränderungen zeigten sich an ihm, innerlich wie äußerlich. Er spürte sehr bald, dass ihm durch den Ring Macht gegeben war, und er war nun in der Lage, Rache zu nehmen für Demütigung, Zurückweisung und Ablehnung. Er nutzte diese neue Macht, um seiner Verwandtschaft zu schaden.
Seine Devise war nun: „Jetzt zahle ich Euch alles heim!“
Dieses Hochgefühl, überlegen und mächtig zu sein, war nur von kurzer Dauer, und Smeagol zahlte einen furchtbaren Preis: Er verlor alles; seine Heimat seine Familie und die Freiheit, selbst über sein Leben zu entscheiden, denn das wurde von nun an vom Willen des Ringes bestimmt.



Tolkien und Rassismus

Ich wollte mir dieses Thema eigentlich verkneifen, bin von meiner inneren Stimme aber schließlich derart beschwatzt worden, dass ich mich äußern muss, denn die Debatten um die Frage "War Tolkien Rassist?" flauen nicht ab.
Ich persönlich halte sie für interessant bis erschreckend.
Die wenigen Befürworter der Behauptung müssen sich gar manches bieten lassen und können selten auf eine sachliche Diskussion hoffen, während die Gegner mit Empörung reagieren und sich wohlmöglich persönlich angegriffen fühlen, und dementsprechend austeilen.

Deshalb - und weil das Thema Rassismus an sich brisant ist - wähle ich für diesen Essay einen vielleicht etwas ungewöhnlichen Weg. Hier soll auf semiwissenschaftlicher Basis der Versuch unternommen werden, die obige Frage zu beantworten. Man sehe mir bitte nach, wenn ich das Thema nicht erschöpfend behandle, aber dazu besitze ich nicht die nötige Kompetenz (und Zeit). Ich möchte lediglich zum Nachdenken anregen und ein wenig den advocatus diaboli spielen. Deshalb verzeihe man mir die bekannte flapsige Art und Weise, die manchmal durchkommt.



Einige ganz persönliche Gedanken zu Herus Mittelerde – Die Guten und die Bösen.
Eine reine Schwarz-Weiß-Malerei? und
Tolkien und Rassismus -
Ein Versuch, sich dieser Materie unvoreingenommen zu nähern

Nun hat ein genialer Mann eine grandiose Geschichte verfasst. Das Werk eines Lebens, das nicht genug zu würdigen ist. Kaum wird es zum Lieblingsbuch vieler Menschen in aller Herren Länder, melden sich schlaue Leute zu Wort, die sich gern als „Kritiker“ bezeichnen, weil sie „hinter“ die Worte schauen und nach kritikwürdigem Gedankengut suchen.
Und sie werden fündig!

An dieser Stelle schweifen meine Gedanken etwas ab, und zu meiner Belustigung und zu der des Lesers will ich sie gern wiedergeben, denn sie haben zwar nichts mit Tolkien, aber etwas mit der Problematik der Schwarz-Weiß-Malerei und dem Versuch der Interpretation von Werken zu tun... und damit, wie sich manch einer dabei wichtig tut.



Fanfiction, Sex und Mittelerde oder Das Ende der Unschuld

Nun gehört der Sex ja zum Leben dazu, was im Prinzip nicht verwerflich ist. Er ist allgegenwärtig, und auch wenn er uns heutzutage an jeder Ecke anspringt, verwundert es mich doch, dass er in einem so unverfänglichen Bereich wie der Tolkien-Fanfiction zu finden ist.
Man halte sich vor Augen:
Ein würdevoller und unverdächtiger englischer Professor für Sprachen schreibt in langen Jahren ein Werk, das sich zum Kultbuch mausert und Generation um Generation zu begeistern vermag.
Und weshalb?
Weil die Liebesszenen so deftig sind?
Bewahre.
Tolkiens konservativ-katholische Erziehung, sein gesamter gesellschaftlicher und kultureller Background, wie man heute sagt, standen gegen so etwas. Und kommt mir nicht mit dem Argument, er habe in verdächtiger Weise Männerfreundschaften gepflegt. So etwas soll es sogar heute noch geben, ohne dass die Jungs irgendwann miteinander etwas anfangen. Und was ist mit uns, meine Damen? Ist die beste Freundin auch gleichzeitig die liebste Bettgenossin, weil sie eben weiß, was Frauen wirklich wollen? Wohl eher nicht.
Es ist dem Professor schlicht gelungen, eine ergreifende Geschichte zu erzählen, die ohne Sex auskommt. (Keine Sorge, ich revidiere dieses Urteil später ein klitzekleines Bisschen. *g*)



„Mary Sue“ – zu Recht als Geißel der Fanfiction betrachtet?

Die Bezeichnung ‚Mary Sue’ ist nun weder zum Rating, noch zum Genre gehörend, doch der Begriff hat sich auf eine Weise etabliert, die auf eine ganz bestimmte Form einer Geschichte hinweisen und damit nicht selten auch Stil und Inhalt – und die Qualität dieser Geschichte bestimmt.

Selten nur werden Geschichten als ‚Mary Sue’ von ihren Autoren angekündigt, doch es gibt ihrer sehr viele und obwohl sie so häufig sind, erfahren sie in der öffentlichen Diskussion im Allgemeinen eine strikte Ablehnung aufgrund des sehr negativ besetzten Images dieses Phänomens. Und es ist nicht nur Ablehnung, sondern geradezu Häme, Spott und Hohn, gepaart mit einer hin und wieder erstaunlichen Überheblichkeit, die einem Autor einer solchen Geschichte entgegengebracht werden können. Gute und schlechte Geschichten gibt es in jeder Kategorie, aber was ist das Besondere an der ‚Mary Sue’-Geschichte und warum hat sie ein so schlechtes Ansehen? Warum wird sie als „Geißel der Fanfiction“ bezeichnet? Und was genau bedeutet die Bezeichnung ‚Mary Sue’ überhaupt? Im Folgenden möchte ich versuchen, diesem Phänomen etwas mehr auf den Grund zu gehen.



Ein paar Gedanken zu Liriels Essay „Mary Sue“ – zu Recht als Geißel der Fanfiction betrachtet?

Womit wir bei der self-insertion wären. Ich fürchte, ich selber kann da nicht so sehr mitreden, denn zum einem tummeln sich in meinen Geschichten eher die kanonischen Charaktere und zum anderen sollte man mir dann besser aus dem Weg gehen, damit ich nicht mein Morgul-Messer hervorhole, wenn mir was nicht passt. Kurz gesagt, ich hoffe doch sehr, dass die Nazgûl, Sauron oder auch Gollum in meinen Geschichten keine self-insertion-Züge tragen. ;)
Aber auch Elrond oder Faramir sollten die nicht haben, denn bei allem Spaß, den ich dabei empfinde, mich in die Charaktere hineinzudenken, ich bleibe immer in einer gewissen Distanz, orientiere mich zwar an mir, indem ich mich frage, wie ich in bestimmten Situationen handeln würde, versuche aber gleichzeitig, die Charakterisierung die Tolkien seinen Haupt-Figuren gegeben hat nicht aus den Augen zu verlieren. Bei den Nebenfiguren erlaube ich mir mehr Freiheiten; aber auch immer aus der besagten Distanz heraus.
Die Originalcharaktere aus meiner Feder tragen vermutlich einige persönliche Züge, sind aber bis auf ein/zwei Ausnahmen männlich (und insofern wohl ein Phänomen für sich).




Fanfiction als alternative Erzählkultur - ein Überblick

Zahlreiche Artikel, Aufsätze oder Essays, die ich für meine Untersuchungen der Fanfiction im Internet gefunden habe, zusammen mit persönlichen Erfahrungen und Diskussionen, vermitteln häufig ein negatives Bild der Fanfiction. Nicht selten wird sie als eine Literatur-Gattung ‚zweiter Klasse' betrachtet, als eine ‚Subkultur' einer Gruppe von Träumern, Eskapisten, konsumierfreudigen Fans, die sich in keiner Weise mit der sogenannten literarischen Hochkultur eines Goethe messen kann.
Und vielleicht ist das auch in vielen Fällen richtig: wer die Weiten des WWW auf der Suche nach Fanfiction durchstreift, stößt zuallererst auf die großen öffentlichen Archive, in denen das Motto ‚Masse statt Klasse' vorherrscht: Geschichten, Gedichte, Romane und anderes gibt es viele, doch ihre Qualität reicht häufig über einfachstes Niveau in inhaltlicher oder stilistischer Hinsicht nicht hinaus.
Aber auch viele kleinere, private Seiten konzentrieren sich oft auf eine wenig überzeugende, eher spielerisch zu nennende Verarbeitung eines Lieblingscharakters oder eines Lieblingsthemas, ohne allzu viel Wert auf Nähe zum Originaltext zu legen. Der Eindruck, dass Fans, die solche Geschichten schreiben, der eigenen Wirklichkeit entfliehen, Grenzen verletzen oder auf Kosten anderer eine Selbstverwirklichung anstreben, kann dort durchaus bestätigt werden.
Immer wieder kommt bei solchen Diskussionen das Argument auf, jede Autorin könne doch schließlich schreiben, was und wie sie möchte, es gäbe keine verbindlichen Regeln und solange es Leser für die individuellen Gedanken und Vorstellungen einer Autorin gibt und diese lobt, sei eine solche Diskussion doch überflüssig.




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