Minas Tirith
Zur Geschichte
Nach dem Niedergang von Osgiliath wurde Minas Tirith im Jahre 1640 des Dritten Zeitalters die Hauptstadt des Königreiches Gondor. Zu diesem Zeitpunkt hieß die Stadt Minas Anor ( S. „Turm der Sonne“ ).
Einst war sie die Festung --> Anarions, des jüngeren Sohnes Elendils, gemeinsam mit seinem Bruder Isildur das Königreich Gondor errichtet hatte.
Anarion erbaute Minas Anor im Jahre 3320 des Zweiten Zeitalters an den Osthängen des Mindolluin zum Schutz gegen die wilden Menschen aus den Tälern der Ered Nimrais ( = Weißes Gebirge ).
Minas Anor wurde in der ersten Hälfte des Dritten Zeitalters zur wichtigsten Stadt Gondors, weil --> Osgiliath und --> Minas Ithil ihre Bedeutung verloren.
Nachdem die Schwesterstadt Minas Ithil ( S: „Turm des Mondes“ ), einst die Festung Isildurs, nach einer zweijährigen Belagerung durch die --> Nazgûl fiel, und in --> Minas Morgul ( S. „Turm der Schwarzen Magie“ ) umbenannt wurde, erhielt nun Minas Anor einen neuen Namen: Minas Tirith ( S. „Turm der Wache“ ).
Der Name war gut gewählt, denn während des gesamten Dritten Zeitalters trachtete --> Sauron danach, Gondor als letztes freies Königreich zu erobern und mit Minas Tirith die letzte Bastion der Erben Elendils zu zerstören. So wachte die Festung über Gondor, und in ihrer Jahrtausende währenden Geschichte wurde sie niemals eingenommen.
Die Stadt
Die Stadt war in sieben kreisförmigen aufsteigenden Ebenen auf einem Felsvorsprung des Mindolluin erbaut worden. Die einzelnen Ebenen schützten feste Ringwälle.
Vom Osttor, dem Haupttor, führte eine Hauptstraße von Ebene zu Ebene. Um es einem Angreifer möglichst schwer zu machen, wurden die Ebenen durch Tore getrennt, die zu einander versetzt angeordnet waren und abwechselnd nach Südosten und Nordosten zeigten.
Die Grabgewölbe der Könige, auch „Häuser der Toten“ genannt, waren auf der Höhe der vierten Ebene auf dem hinteren Sattel des Mindolluin gelegen. Hier versuchte Denethor II. während der Belagerung von Minas Tirith seinen verwundeten Sohn Faramir zu verbrennen, bevor er selbst durch eigene Hand auf dem Scheiterhaufen starb.
Die berühmten „Häuser der Heilung“ befanden sich auf der sechsten Ebene. Dort waren sich wohl auch die einzigen Grünanlagen der Stadt.
An den Straßen reihte sich Haus an Haus, und nicht umsonst nannte sie Ghan-buri-Ghan, der Häuptling der Druedain aus dem Druadan-Wald, „Steinstadt“.
Die sechste und die siebte Ebene trennte ein beleuchteter Gang, der sich durch einen gewaltigen Felsvorsprung bohrte.
Die Zitadelle
Folgte man der Hauptstraße bis zur siebten Ebene, erreichte man die Zitadelle, den Sitz der Truchsesse von Gondor. Sie befand sich 700 Fuß über dem großen Tor. Von jenem Felsvorsprung, durch den der Durchgang zur siebten Ebene verlief und der einem Schiffsbug ähnlich war, hatte man einen weiten Blick über das Land nach Osten. Man konnte das Schwarze Tor von Mordor, den Morannon, sehen und in der Ferne den Orodruin, über dem ständig eine dunkle Wolke lag.
„Die Veste umschloss viele Gebäude... Die Anordnung ist mit der von europäischen Burgen vergleichbar, die nach den Kreuzzügen erbaut wurden. Merethrond ( die Große Festhalle ),das Haus des Königs, Wohnräume und andere Gebäude mit unbekanntem Zweck drängten sich ... zusammen.
In der Mitte der Veste erhob sich der Weiße Turm.“
(Karen Wynn Fonstad: Historischer Atlas von Mitteerde, Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S.138)
Der Weiße Turm
Im Zentrum der Zitadelle ragte, nicht ganz 300 Fuß hoch, der Weiße Turm empor. Er wurde um 1900 DZ von Calimehtar, dem 30. König von Gondor erbaut.
2698 DZ ließ der herrschende Truchsess Ecthelion I. einiges am Turm und der Zitadelle umbauen, das zur Verstärkung dienen sollte. Von nun an hieß der Turm „Weißer Turm Ecthelions“.
Der untere Teil war der Palast. Hier befanden sich, neben der großen Halle, Vorratsräume und Speisesäle für die Wachmannschaften. Mehrere kleinere Räume wurden für Beratungen genutzt. Im obersten Stockwerk befand sich eine geheime Kammer, die nur durch eine Geheimtür zu erreichen und in der der Palantir von Minas Anor verborgen war.
Der Weiße Baum
In der Zitadelle stand auf dem Brunnenhof in der Mitte eines Springbrunnens der Weiße Baum von Gondor. Er war ein Abkömmling des Baumes, den Isildur einst aus Numenor mitbrachte und im Jahre 02 DZ in Minas Anor zum Gedenken an seinen Bruder Anarion pflanzte.
Doch 2852 DZ, im Todesjahr von Belecthor II., des 15. herrschenden Truchsesses von Gondor, verdorrte er. Man ließ ihn an seinem Platz stehen, und er sollte dort bleiben bis zur „Wiederkehr des Königs“.
Nach dem Ringkrieg fand --> Gandalf an den Hängen des Mindolluin unter dem Schnee einen jungen Sämling. Er wurde eingepflanzt, und so gab es zur Regierungszeit König Elessars wieder einen Weißen Baum in Minas Tirith.
Die Blätter des Baumes waren an der Oberseite dunkel, an der Unterseite silbern, und sie trugen Büschel von weißen Blüten.
Der Weiße Baum war das Wahrzeichen Gondors. Sein Bild zierte die Flagge: Ein weißer Baum unter einer Krone von vielzackigen Sternen.
Der Pelennor
Die Stadt Minas Tirith war umgeben von einer grünen Ebene fruchtbaren Ackerlandes, den Pelennor-Feldern. Der Pelennor (S. Umzäuntes Land) erstreckte sich über eine Fläche von etwa 100 Quadratkilometer. Hier befanden sich bestellte Felder, Obstgärten, Gehöfte mit Speichern und Ställen und Viehweiden.
Der Pelennor war von einem Verteidigungswall umgeben, den man den Rammas Echor (S. Große Umfassungsmauer) nannte.
Diese äußere Mauer war mit viel Mühe erbaut worden zum Schutz vor der Bedrohung aus dem Osten.
„Über zehn Wegstunden lang, vom Fuß des Gebirges ausgehend und wieder zum Gebirge zurückkehrend, umschloss sie die Felder des Pelennor, das schöne fruchtbare Stadtland auf den langen, zum Anduin hin abfallenden Hängen und Terrassen. An der entferntesten Stelle, im Nordosten, wo die Mauer vier Wegstunden vor dem großen Tor stand, blickte sie von einer steilen Böschung auf die langen, flachen Uferstreifen am Fluss hinab; ...“
(J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Bd.3, Die Wiederkehr des Königs, Klett-Cotta, Stuttgart 2001 S. 19)
Die gesamte Länge der Mauer betrug ungefähr 40 Kilometer. Im Westen schloss sie an das Bergmassiv des Mindolluin an, im Südosten reichte sie bis zum Flusshafen Harlond.
Sie wurde von Ecthelion II. im Jahre 2945 errichtet und während des Ringkrieges instandgesetzt.
Die Belagerung von Minas Tirith
Vom 12. bis 15. März 3019 DZ, wurde die Stadt auf dem Höhepunkt des Ringkrieges von Truppen aus Minas Morgul und Udun belagert.
Die Außenmauer erwies sich als nutzlos, denn um sie zu verteidigen wäre ein größeres Heer nötig gewesen, als es Gondor zur Verfügung stand.
Die Feinde sprengten Breschen hinein, überschwemmten den Pelennor und trieben die Verteidiger nach Minas Tirith hinein.
Am 14. März wurde die erste Ebene der Stadt mit Katapulten in Brand gesetzt.
Die Nazgul überflogen auf ihren geflügelten Untieren die Stadt und versetzten die Einwohner in Angst und Schrecken.
Schließlich zerstörte der Schwarze Heermeister, der Fürst der Nazgul, das eiserne Haupttor der Stadt. (Nach dem Krieg wurde es von den Zwergen von Aglarond neu geschmiedet und der Stadt zum Geschenk gemacht.)
Doch bevor er einreiten konnte, kamen den Gondorern die Rohirrim unter der Führung ihres Königs --> Theoden zu Hilfe. Es begann die größte Schlacht des Ringkrieges, in deren Ergebnis Theoden fiel. Auch der Schwarze Heermeister wurde getötet. Eine Prophezeiung erfüllte sich: Er starb durch die Hand der Schildmaid von Rohan Eowyn.
Die Schlacht wurde entschieden, als --> Aragorn mit den gekaperten Schiffen der Schwarzen Korsaren Verstärkung herbeibrachte.
Nach dem Krieg
Nach dem Ringkrieg und dem Sieg über Sauron wird am 1. Mai 3019 DZ Aragorn zum König gekrönt. Er trägt nun den Namen Elessar (Q. „Elbenstein“)
Am Mittjahrstag findet die Hochzeit mit --> Arwen statt.
Sie herrschen bis zum Jahre 120 des Vierten Zeitalters. Dann stirbt Elessar, und Arwen folgt ihm bald nach.
Literatur:
J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Bd. 3, Die Wiederkehr des Königs, Klett-Cotta, Stuttgart 2001
J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Anhänge und Register, Klett-Cotta, Stuttgart, 2002
Karen Wynn Fonstad: Historischer Atlas von Mittelerde, Klett-Cotta, Stuttgart,2001
Robert Foster: Das große Mittelerde-Lexikon, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003
Friedhelm Schneidewind: Das große Tolkien-Lexikon, Lexikon Imprint Verlag, Berlin 2001
Wolfgang Krege: Handbuch der Weisen von Mittelerde, Klett-Cotta, Stuttgart 2001
David Day: Tolkien – Eine illustrierte Enzyklopädie, Otus verlag. St. Gallen 2001
Barbara Strachey: Frodos Reisen, Der Atlas zu J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, Stuttgart 2001