Morannon
An der nordwestlichen Ecke von --> Mordor, dort wo die Ephel Duath (Schattengebirge) und die Ered Lithui (Aschengebirge) zusammenstoßen, befand sich ein Durchlass, der die Gebirge von einander trennte und der als Passstraße durch eine tiefe Schlucht ins Tal von Udun führte. Er wurde Cirith Gorgor, der „Geisterpass“ genannt.
Die felsige Schlucht entstand dadurch, dass beide Gebirge einen Ausläufer wie einen Arm nach Nordwesten vorschoben.
Zu Beginn des Dritten Zeitalters, nachdem --> Sauron in der Schlacht des Letzten Bündnisses besiegt worden war, hatte Gondor entlang der Grenzen Mordors Befestigungen angelegt, um die Vorgänge im Landesinneren besser überwachen zu können. Die wichtigsten Festungen befanden sich hier am Cirith Gorgor.
Auf den vorgeschobenen steilen Hügeln wurden zwei feste Türme, die „Zähne von Mordor“, erbaut, um das Land zu überwachen und Sauron daran zu hindern zurückzukehren.
Während der Großen Pest 1636 DZ schrumpfte die Bevölkerung Gondors, und die Befestigungen wurden aufgegeben. Sauron schickte etwa um diese Zeit seine --> Nazgul nach Mordor, um seine Rückkehr vorzubereiten.
Nachdem der Weiße Rat sich im Jahre 2941 DZ endlich entschloss, gegen Sauron vorzugehen, verließ der --> Dol Guldur und floh nach Mordor.
Er versperrte die Passstraße ins Tal von Udun durch einen steinernen Wall, der von Felswand zu Felswand reichte und durch ein gewaltiges dreiflügeliges Tor unterbrochen wurde, dem Morannon (S. Das Schwarze Tor).
„Vor der Einmündung in den Engpass hatte der dunkle Herrscher einen steinernen Wall aufgebaut. Darin eingelassen war ein einziges eisernes Tor, und auf der Mauer darüber schritten unaufhörlich Wachtposten auf und ab. Unter den Bergen war der Fels auf beiden Seiten wie von Maden durchlöchert: In Hunderten von Höhlen lauerte ein ganzes Heer von Orks, bereit, auf ein Signal hin zum Kampf herauszuströmen wie schwarze Ameisen. Niemand konnte die Zähne von Mordor passieren, ohne ihren Biss zu spüren...“
(J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Teil II, Die zwei Türme, Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S.301)
Nach seiner Rückkehr hatte Sauron die beiden verfallenen Wehrtürme, die „Zähne von Mordor“, wieder instandsetzen lassen, und so standen sie als Wachtposten auf zwei kahlen schwarzen Bergen und blickten über das Land.
Während des Ringkrieges waren sie mit Orks besetzt.
Dadurch, dass ihre Fenster nach Norden, Westen und Osten schauten, waren die Straßen, die am Morannon zusammenliefen, gut zu überwachen.
Die Türme wurden „Narchost“ (Feuerzahn) und Carchost (der Starke Hauer) genannt. Sie waren Tag und Nacht besetzt.
Für Frodo und Sam war es unmöglich, auf diesem Weg in Mordor einzudringen, so dass Gollum sie über die Cirith Ungol (S. Spinnenpass) führte.
Am 25. März 3019 DZ forderte das Heer des Westens unter Aragorns und Gandalfs Führung vor dem Morannon Sauron zur Schlacht heraus.
Aus den Höhlen und Gängen der Berge schickte Sauron eine Unzahl von Orks, Haradrim, Ostlinge und Bergtrolle über geheime Wege und durch geheime Tunnel vor das Tor, und bald sahen sich Aragorn und seine Truppen umzingelt von einer gewaltigen Übermacht.
Die Schlacht am Morannon hätte für das Westheer ein schlimmes Ende gefunden, wenn Frodo und Sam nicht zu diesem Zeitpunkt die Schicksalskluft des Orodruin erreicht und den Ring der Macht vernichtet hätten.
„Hoch über den Türmen des Schwarzen Tors und über den Bergen stieg etwas Großes, Dunkles und Dickes zum Himmel auf, flammenumzüngelt, das schnell immer höher hinaufstrebte. Die Erde stöhnte und bebte. Die Zahntürme wackelten, wankten und kippten, der mächtige Festungswall zerbröckelte, das Schwarze Tor wurde zertrümmert und herausgeschleudert; und von fern kam, zuerst leise, dann lauter und bis an die Wolken hämmernd, ein trommelndes Rumoren, ein Dröhnen, ein lange nachhallender Ton mahlender Zerstörung.“
(J.J.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Teil III, Die Wiederkehr des Königs, Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S. 272)
Mein herzlicher Dank geht an Anarya, die diesen Text geschrieben hat!
Literatur:
J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe, Teil I und III, Klett-Cotta, Stuttgart 2001
Wolfgang Krege: Handbuch der Weisen von Mittelerde, Klett-Cotta, Stuttgart 2001
Robert Foster: Das große Mittelerde-Lexikon, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2003
Friedhelm Schneidewind: Das große Tolkien-Lexikon, Lexikon Imprint Verlag, Berlin 2001
Karen Wynn Fonstad: Historischer Atlas von Mittelerde, Klett-Cotta, Stuttgart 2001