Auszug aus Anarya
Im Lande Mordor wuchs am Fuß des Schattengebirges am Rande der Ebene von Gorgoroth ein Strauch. Sein Laub war schwarz wie Pech, lederartig. Fiel trotz der dunklen Wolken an Mordors Himmel doch einmal Licht auf sein Blattwerk, dann schimmerte es grünlich wie die Körper von Aasfliegen. Böse, lange Dornen wuchsen an den knorrigen Zweigen.
Im Lauf der Jahrtausende entwickelte sich der Strauch zu ansehnlicher Größe. Woher er als Schössling gekommen war, vermochte niemand mehr zu sagen. Es war auch nicht von Interesse, denn in Mordor wimmelte es von absonderlichen, widerlichen, hässlichen Kreaturen. Er war eben da, und das genügte.
Seine Wurzeln reichten tief bis in die tiefsten Tiefen der Ebene und wurden gespeist von unterirdischen Bächen und Rinnsalen, in deren Wasser die Abfälle aus den unter der Erde gelegenen Kerkern und Verliesen von Saurons Festung Barad-dur flossen.
Sie waren getränkt vom Blut und von den Tränen der gefolterten, gequälten, verkrüppelten und ermordeten Menschen und Elben, die in die Gewalt des Dunklen Herrschers gerieten.
Die starken Wurzeln brachen den Boden auf, und Erdspalten bildeten sich, aus denen giftige Ausdünstungen aufstiegen, die die Luft mit Pestgestank erfüllten.
Die Geister des Schattenreiches liebten diesen unheimlichen Strauch, denn er verschaffte ihnen einen Zugang zur äußeren Welt.