Auszug aus Der Schatten von Angmar
Die Wachen auf den Zinnen Carn Dûms rafften die Felle um ihre Schultern enger zusammen und widerstanden zitternd der Kälte, die über ihre Körper kroch, klamme Finger um lange Speere und auf kalte Schwertknäufe gelegt. Manch einer von ihnen schaute besorgt zum Himmel, dessen bleiernes Grau seit Wochen die Sonne verbarg und selbst das tapferste Herz verzagen ließ.
Ein Winter kündigte sich an, wie ihn Mittelerde seit den Dunklen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Tod und Verderben würde er bringen, das war gewiss. Dann konnte sich der glücklich schätzen, der vorgesorgt hatte; doch auch dies war kein Garant dafür, dass er den nächsten Frühling erlebte ...
Die Dämmerung brach schnell herein und mit dem verblassenden Licht kamen die Kreaturen hervor, die der Dunkelheit angehörten.
Auf dem höchsten Turm der Festung regte sich etwas.
Die schwere, mit Eisen beschlagene Tür, die auf eine breite, den ganzen Turm umspannende Terrasse hinausführte, öffnete sich lautlos. Sie zitterte im Wind, der noch stärker geworden war. Er heulte mit grausamen Stimmen und sang ein Lied der Verzweiflung.
Wenige Augenblicke lang schien ein gelbes Licht aus dem fensterlosen Turm und eine große Gestalt in langen, dunklen Gewändern trat durch die Türöffnung auf die Terrasse. Krachend fiel die Eichentür ins Schloss zurück und der Turm lag wieder im Dämmerlicht.