Autorenfragebogen Eowyn
1. Der Name unter dem Du schreibst/bekannt bist. (Hat er – wenn er ein Pseudonym ist – eine besondere Bedeutung?)
Für mich kam nur ein HdR-Name in Frage. Es ist Eowyn geworden, obwohl ich stark geschwankt habe, denn Sam habe ich genauso gern. Eowyn hat den Zuschlag bekommen, weil daran erkennbar ist, daß ich ein Mädel bin. Ein weiblicher Sam wäre mir zu stressig geworden. Mittlerweile bin ich damit aber sehr zufrieden, weil ich mich ohnehin mit Eowyn gut identifizieren kann.
2. Wann ist Dein Interesse am Schreiben von Fanfiction geweckt worden?
Das war im Juni 2002, ein halbes Jahr nach dem Kinostart von "Die Gefährten".
3. Welchen besonderen Auslöser gab es?
Ich hatte HdR gerade zum zweiten Mal durch und Frodos Abschied an den Grauen Anfurten wurde dadurch nicht gerade besser. Ja, natürlich hatte er einen Sinn, aber die Freundschaft zwischen Frodo und Sam ist etwa so Großes, daß es mir schwerfiel, die beiden getrennt zu wissen. Also habe ich Frodo zurückholen wollen und die Fanfictionschreiberei war geboren.
4. Hast Du thematische Vorlieben? Wenn ja, warum?
Ich schreibe am liebsten über Hobbits, weil mir die Kleinen ans Herz gewachsen sind. Es sind meist Geschichten über Freundschaft, Abenteuergeschichten, immer irgendwie zum Mitleiden. Warum? Ich weiß es nicht. War schon immer so.
5. Hast Du Lieblingscharaktere, über die Du besonders häufig schreibst?
Am häufigsten habe ich, besonders am Anfang, über Frodo und Sam geschrieben. Die beiden sind einfach einzigartig. Später wurde aber auch Aragorn sehr interessant für mich. Eowyn war natürlich auch oft dabei.
6. Von welchen Aspekten des Tolkien'schen Universums (oder des richtigen Lebens) lässt Du Dich inspirieren?
Freundschaft ist der Aspekt, der mich in Tolkiens Werk am meisten bewegt hat. In einer Zeit wie der, in der wir nun leben, ist es meiner Meinung nach wichtig, sich auf solche Werte zurückzubesinnen. (Klingt blöd, ist aber mein voller Ernst!) Mal davon abgesehen finde ich es spannend, daß diese Geschichte in einer fast mittelalterlichen Umgebung spielt. Dafür habe ich was übrig.
7. Schreibst Du Deine Fanfiction nur zum Herrn der Ringe oder auch zum Silmarillion oder gar anderen Werken Tolkiens? Sind Deine Geschichten buch- oder filmbezogen?
Ich habe nur Geschichten rund um den Herrn der Ringe geschrieben. Anfangs, ganz besonders bevor Teil 2 und 3 im Kino liefen, waren sie ziemlich buchbezogen. Hinterher hat sich das gemischt, aber es war immer eher buchbezogen. Manche Änderungen in den Filmen fand ich einfach nicht gut.
8. Würdest Du die Inhalte Deiner Geschichten eher tolkienkonform oder als frei von kanonischen Gesichtspunkten bezeichnen? Wenn Du einen Schwerpunkt hast, warum?
Anfangs bin ich sowohl inhaltlich als besonders auch sprachlich Tolkiens Vorlage treu geblieben. Das ließ sich allerdings nicht dauerhaft aufrecht erhalten. Und als mir meine Arbeit zu weit weg vom Original erschien, habe ich beschlossen, aufzuhören. Ich habe mein Alternative Universe um Frodo und auch Sam durchgefochten und mag nicht alles davon, aber so, wie es letztendlich geworden ist, ist es okay.
9. Worauf legst Du bei Deinen Geschichten, abgesehen vom Inhalt, wert? (Stil, Wortwahl, Ansprüche an die Leser ...)
Es gab Geschichten, da hatte ich keine Lust, mich an Tolkien zu orientieren. Andere wiederum wurden erschaffen unter der Vorgabe, möglichst dicht am Original zu sein, besonders in Sachen Stil. Hauptsächlich ging es mir aber darum, möglichst in character zu bleiben und nichts zu verfälschen. Ich habe sowohl anspruchsvolle Drama-Geschichten geschrieben als auch Abenteuergeschichten, die einfach nur Spaß machen sollen. Manchmal war da auch richtig viel Blut oder sonstiger Nonsens bei. Ich wollte hauptsächlich unterhalten und Spannung bieten, dem Leser vergnügliche Stunden mit seinen Lieblingen schenken und das so nah wie möglich am Original, aber so frei wie nötig, um noch kreativ sein zu können. Absolut tabu waren für mich aber Slash oder sinnloses Gemetzel.
10. Wie würdest Du Deine Stärken und Schwächen beim Schreiben einschätzen?
Stark bin ich in Szenen, die sich schon lang vorher bis ins Detail in meinem Kopf wie ein Film abgespielt haben. Meist waren das Schlüsselszenen, etwas Spannendes und Dramatisches. Aber da erst mal hinkommen... Übergänge waren nicht so mein Ding. Manchmal habe ich auch sprachlichen Vollmurks fabriziert. Mein Problem ist, daß ich meist gleiche Elemente verwende, weil es mir sonst keinen Spaß macht. Aber dann bin ich auch richtig gut.
11. Wie schreibst Du? (Hast Du bestimmte Techniken, eine feste Konzeption, aus dem Bauch heraus ...?)
Die erste Geschichte hatte ich komplett im Kopf und habe sie auch so aufgeschrieben. Meist schreibe ich chronologisch von vorn nach hinten. Bei komplexeren Geschichten mit vielen Personen und Handlungssträngen brauche ich Notizen und ändere oft auch noch was. Da kann es dann auch passieren, daß ich vorgreife.
12. Nutzt Du die Hilfe von Betalesern?
Erstmal muß man einen Betaleser definieren. Ich habe meine Geschichten anfangs oft gegenlesen lassen, um Feedback zu erhalten und zu erfahren, was Nonsens ist und was nicht. Da war aber oft nicht sehr ergiebig. Wirklich korrigiert worden sind die Geschichten nie. Im Nachhinein bereue ich das manchmal und bei meinem Buchprojekt ist mir erst klar geworden, wie wichtig ein guter Lektor ist.
13. Unter welchen Voraussetzungen schreibst Du? Wie sieht es in Deiner Umgebung dabei aus? Hörst Du Musik? Wenn ja, welche? Hast Du feste Zeiten?
Am besten kann ich schreiben, wenn ich allein bin. Es sei denn, ich bin richtig heftig inspiriert, dann geht das auch im größten Trubel (im Zug mit Notizbuch oder so). Meist sitze ich zuhause am Computer und höre Musik. Am besten geht es, wenn es dunkel ist. Keine Ahnung, warum. Ist fast immer so.
14. Entwickelst Du eigene Charaktere für Deine Geschichten? Was gibt den Anstoß?
Ich habe irgendwann eigene Charaktere erdacht, um mal frischen Wind reinzubringen. Es waren aber nicht viele. Vor allem habe ich auch Figuren wie beispielsweise Bergil immer wieder eingebracht und sozusagen heranwachsen sehen. Da war auch viel Eigenarbeit gefragt, weil man ihn ja nur als kleinen Jungen in Minas Tirith kennengelernt hat. Später entwickelte sich so eine Art Next Generation-Geschichtenstamm mit den Kindern der Hobbits (teilweise auch erdacht). Das ging mir aber zu weit, also habe ich aufgehört.
15. Was würdest Du unter keinen Umständen schreiben? Das heißt: gibt es für Dich Grenzen?
Slash geht bei mir gar nicht. Wer erklärt mir, wo Tolkien Homosexualität bei seinen Charakteren gesehen hat oder haben wollte? Er käme sich verletzt vor, glaube ich. Das muß auch nicht sein, eine Gruppe von Männern wird ja wohl mal ohne Sex können. Auch richtig expliziten Sex oder Gewalt würde ich nicht schreiben, ebensowenig gnadenlose und dumme Veralberungen. Wenn Parodien gut sind, sind sie okay. Richtig kitschige Mary Sues (das sind sie ohnehin meistens) sind auch nicht mein Fall. Der arme Legolas, wen man ihm so alles angedichtet hat...
16. Wissen Deine Familie und Deine Freunde, dass Du Fanficiton schreibst? Wenn ja, wie reagiert Deine Umgebung auf dieses Hobby? Wenn nein, warum ist es nicht bekannt?
Viele haben gefragt, warum ich nichts Eigenes mache. Naja, ich wollte eben nicht! Hinterher wußten so ziemlich alle, daß ich das mache. Wirklich akzeptiert war das aber erst, nachdem der erste Wettbewerb damit gewonnen war.
17. Bist Du beim Schreiben von Fanfiction durch Ausbildung oder Beruf "vorbelastet"? (Hast Du Literaturwissenschaften studiert, arbeitest Du in einem Bereich, der sich mit Literatur oder schreibenden Tätigkeiten befasst?) Ist dieser Hintergrund Hilfe, wohlmöglich Belastung oder hat er kaum Einfluss auf das Fanfiction-Schreiben?
Ich stehe noch vor der Wahl, welchen Beruf ich ergreifen möchte. Ich kann und möchte aber nicht unter Druck schreiben. Vor allem: Was will man denn als Schreiberling machen? Journalist möchte ich nicht werden, das wäre nur um des Schreibens willen und das bringt nichts. Sonst bleibt auch nicht viel. Nein, Schreiben kann ich auch einfach nur so.
18. Hast Du Fanfiction-Autoren/innen, die Du als Vorbilder bezeichnen würdest?
Vielen fällt bestimmt jemand ein, mir nicht. Ich habe immer mehr geschrieben als überhaupt gelesen. Vielleicht ist mir da jemand entgangen, den ich hier aufführen könnte. Im Allgemeinen verdient aber meine Bewunderung, wer wirklich im Geiste Tolkiens schreibt.
19. Welches sind Deine Lieblingsgeschichten?
Konkret kann ich jetzt nichts nennen. Viele meiner Mitautorinnen haben schon irre gute Sachen abgeliefert, die ich aufzählen könnte. Ganz allgemein: Spannende Abenteuergeschichten, entweder mit möglichst vielen Charakteren oder den Hobbits.
20. Was wünscht Du Dir von Deinen Lesern?
Mehr Feedback wäre schön. Vor allem nicht in der Form "gut gemacht, weiter so". Das hilft nicht. Man kann auch sagen "He, an der Stelle hast du Murks gemacht, weil". Aber die Resonanz ist eigentlich schon ganz gut. So richtig wünsche ich mir eigentlich gar nichts.
21. Was dürfen Deine Leser von Dir erwarten?
Daß ich mir Mühe gebe. Fast immer schreibe ich so, daß ich selbst auch wirklich zufrieden damit bin. Das ist gar nicht so einfach. Manche Nonsensgeschichten sind natürlich nicht so, das ist aber auch Absicht.
22. Schreibst Du neben der Fanfiction eigene Werke? Wenn ja, welcher Art?
Ich habe knapp drei Jahre lang Fanfiction geschrieben, betreibe meine Fanfictionseite aber auch als "ausgeschiedene Autorin" weiter. Irgendwann hat die Fanfiction mir nichts mehr gegeben, ich wollte etwas Eigenes machen. Dabei bin ich der Fantasy treu geblieben und arbeite an einer Trilogie, deren ersten Teil "Der Kristall der Könige" ich veröffentlicht habe. Mal sehen, wo das noch hinführt. Die Motive sind da aber ähnlich: Freundschaft, Abenteuer, der Kampf Gut gegen Böse.
23. Möchtest Du abschließend ein paar Worte über Dich privat schreiben? (Alter, Familienstand, Hobbys und ähnliches.)
Jetzt, im März 2006, bin ich 20 Jahre alt und noch immer auf der Suche nach einem Studienplatz. Ich wohne mit meinem Freund in einer kleinen Wohnung und widme mich neben dem Schreiben auch dem Zeichnen, der Webmaster-Arbeit und regelmäßigen Kinogängen. Nichts besonderes eigentlich ;)
Eowyn im April 2006