Auszug aus Das Fenster zur Stadt
Langsam gehe ich die Stufen meines Hauses hinauf. Eine dunkle Vorahnung beschleicht mich. Mein Entschluss steht fest und nun, da ich ihn bereits kundgetan habe, kann ich ihn nicht zurücknehmen. Das ist nicht meine Art. Ich gehe durch die Flure und vor ihrem Zimmer mache ich halt.
Ich berühre die Klinke vorsichtig, tue einen letzten tiefen Atemzug. Er kann meine Sorge nicht mindern. Ich trete ein und da sitzt sie. Gedankenverloren schaut sie aus dem Fenster, eine Strähne ihres goldenen Haares zwischen ihren zarten Fingern. Sie rührt sich nicht, obwohl sie mich bemerkt haben muss. Ich spreche sie an. Amarië! Langsam wendet sie sich zu mir, sieht mich an. Ich kann ihren Blick nicht erwidern. Ich schaue zu Boden.
Was haben die Fürsten der Noldor beraten? fragt sie mich.
Sie wirkt gefasst. Sie kennt die Antwort.
Wir brechen auf, so bald es möglich ist. Feanáro drängt uns. Keine Zeit soll mehr verloren gehen. Abwartend schaue ich wieder zu ihr auf. Ich traue mich nicht, es zu fragen. Doch ich muss es tun. Ich gehe auf sie zu und nehme sanft ihre Hand. Was wirst du tun? frage ich.
Wie als Antwort rinnen Tränen ihre Wangen hinab. Wir beide wussten, dass dieser Moment kommen würde. Wir beide kennen unsere Antworten. Wir beide fürchten sie auszusprechen. Wir beide fürchten die Endgültigkeit der Gewissheit. Sie atmet tief durch und trocknet ihre Tränen. Ihre Augen binden meinen Blick.