Auszug aus Wehe euch Sterblichen
Der Wächter an der Zugbrücke stand wie jede Nacht auf seinem Posten und betrachtete versonnen die Sterne am Firmament. Einen jeden von ihnen hatte er unzählige Male erblickt und immer noch ließ er sich von ihrer Schönheit verzaubern - und der des Mondes, der wie ein schützendes Wesen seine Strahlenfinger über die Stadt hielt.
Es war eine klare Sommernacht, die selbst die Höhen des Schattengebirges erwärmte, und der Wind strich leise umher, hier und da erklangen Stimmen, denn viele Bewohner Minas Ithils hatten Freude an der Dunkelheit. Niemals war sie von Schrecken für die Menschen, sie wurde als Freund und angenehme Abwechslung zur strahlenden Helligkeit des Tages begrüßt, die Geschäftigkeit verlangte und wenig Ruhe gönnte.
Der Wächter sah hinab in das Tal und verfolgte den Lauf des Flusses mit den Augen. Das Mondlicht glänzte auf dem dunklen Wasser, welches kleine Wellen schlug, und es schien, als sei ein Schatz in den Fluten verborgen, so sehr glitzerte es.
Weit konnte der Mensch sehen, denn die Stadt war auf einem Vorsprung des Schattengebirges erbaut worden; achtzehntausend Fuß in der Höhe.
Der Wind hob an mit größerer Kraft zu wehen und plötzlich brachte er Kälte mit sich, die aufstieg wie Nebel.
Verwundert blickte der Wächter um sich, ihm war, als habe er im sanften Lichtschein des Mondes einen Schatten vorbei huschen sehen. Er zog seinen dünnen Umhang enger um die Schultern, den Schauer unterdrückend, der über seinen Rücken glitt, wie dürre, kalte Finger.
Manchmal trug der Fluss Kälte heran, aber sie blieb nie lange und niemals lag irgendeine Bedrohung in ihr, sie war nach warmen Sommertagen erquickend und willkommen.