Auszug aus Der Ring meines Vaters
Es war totenstill. Die goldenen Teller und Kelche erschienen mir unpassend für diese Atmosphäre. Mir war kalt. Vater starrte auf sein Essen, er rührte aber nichts an.
Ich blickte zu Mutter und sah die Tränen in ihren Augen. Auch sie aß nichts. Ich legte Messer und Gabel weg und durchbrach die Stille, die schon viel zu lang angedauert hatte. „Vater!“ Er schaute nicht auf. Es schien, als hätte er mich gar nicht gehört. Aber Mutter wirbelte herum. Sie musterte mich erschrocken, dabei hatte ich nicht einmal besonders laut gesprochen. „Vater! Willst du uns nicht etwas über diesen wunderschönen Ring erzählen? Wer hat ihn dir geschenkt?“ Jetzt schaute er auf – aber sein Blick ließ mich zusammenfahren. Sein Gesicht war in schrecklichem Zorn verzerrt, die Augen funkelten böse, als hätte ich ihn beleidigt, ihn angeschrieen oder etwas nach ihm geworfen. Doch selbst dann hätte er mich früher nie so angesehen. „Meiner! Es ist mein Ring!“, brüllte er plötzlich und seine Stimme wurde von den Wänden zurückgeworfen. Ich wusste nicht, wie mir geschah.
Plötzlich war Vater auf den Beinen, als wolle er auf mich, seine eigene Tochter, losstürmen, doch ebenso schnell ließ er sich wieder auf seinen Stuhl fallen. Seine Gesichtszüge erschlafften, er atmete schwer. Im nächsten Moment wirkte er unendlich erschöpft. Meine Mutter starrte ihn an. War es der Schock, oder waren ihre Augen wirklich voller Hass, so wie es nun schien? Sekunden später brach sie in Tränen aus und rannte verzweifelt schreiend aus der Halle. Ich lief ihr nach mit einer Mischung aus Angst und fürchterlicher Trauer. Die Wachen blieben stumm.