Auszug aus Unsterblichkeit
Vergiss mich. Trauere nicht. Hätte eine Liebe süßer beginnen und bitterer enden können? Dahingeschwunden im Kummer fand ich Erlösung. Wie es an einem Frühlingsmorgen in den hellen Strahlen der Morgensonne begann, so endete es im Zwielicht der Dämmerung beim letzten Fall der Blätter. Unter weißen Blumen wird mein Grab ruhen, unter Blumen, die heller blühen als andere, und die schließlich welken werden, um mein Grab unter verblühten Schneeflocken zu bedecken. Hier welkt nichts. Hier blüht nichts. Hier endet nichts, denn hier kann nichts beginnen.
Komm nicht zu mir zurück, lass mir meine Ruhe, mein Vergessen. Lass doch die Schiffe in den Westen fahren. Zu silbernen Stränden wollen sie, hinter einem blauen Ozean. Sie kennen den Westen nicht. Der Ozean ist lange nicht mehr von reinem, tiefem Blau, rot durchzogen ist er längst vom vergossenen Blut, das nur dort fließt. Hier nicht. Das ist Valinor, die andere Seite, die niemand kennt. Die leblose, nicht die unsterbliche. Die des Nichts, nicht die der Ewigkeit. Die Wahrheit, keine Illusion.
Kein Traum. Ich träume nicht. Ich weiß nicht, was ist, denn hier ist nichts. Gefallene Seelen. Ich warte nicht auf ein zweites Leben. Warum sollte ich warten? Wofür sollte ich leben?