Auszug aus Vergebung
Gefangen in der Einsamkeit war jeder Tag wie der andere. Es gab nichts, das die Stille erträglicher machen konnte. Niemanden, mit dem sie hätte sprechen können. Langsam vergaß sie wie ihre eigene Stimme klang.
Doch an einem Tag, der sich durch nichts von den vielen davor unterschied, geschah etwas. Das Geräusch von Pferdehufen erklang. Nach der langen Ruhe erschien es unwirklich in ihren Ohren. Hatte sie sich nicht verhört? Schließlich gab es niemanden, der in das verlassene Land kommen könnte. Doch es war keine Einbildung gewesen. Ein Reiter erschien an den Toren Caras Galadhons. Erst als das weiße Pferd direkt vor ihr hielt, erkannte sie die Gestalt auf dessen Rücken. Arwen. Ihre Enkeltochter. Sie hatte sich verändert. Die Jahre hatten an ihrer Lebensenergie gezehrt. In ihren Augen konnte man immer noch die Seele Lúthiens erkennen, aber sie war verblasst.
Die beiden Frauen tauschten einen scheuen Blick aus. Beide waren über alle Maßen verwundert die andere hier zu treffen. Arwen war die erste, die sprach. Berichtete was sie hierher geführt hatte. König Elessar, der Elbenstein, war verschieden und sie hatte es keinen Tag länger in Gondor ausgehalten. Zu schmerzhaft lastete die Erinnerung. Nur war es an Galadriel zu antworten und zu erklären, weshalb sie noch hier war. Zum ersten Mal seit langer Zeit hörte sie ihre eigene Stimme. Und die Kälte und die Gleichgültigkeit in ihr erschreckte sie zutiefst.