Auszug aus Zeit des Abschieds
Die Klinge glitzert im fahlen Licht und wieder betrachte ich sie näher. Sie sieht scharf aus... Leicht fahre ich mit dem Finger daran entlang. Sofort spüre ich den stechenden Schmerz, spüre, wie das Blut auf meine Hand läuft. Es fühlt sich so warm an. Ich achte kaum noch auf den Schmerz an meinem Finger. Ein seltsames Kribbeln durchzuckt mich.
Wenn ich ihn töte, muss ich mir Vorwürfe machen, weil ich ihn getötet habe, wenn er lebt, werden viele fallen und ich habe es zugelassen, es ist auch meine Schuld. Ich werde immer etwas falsch gemacht haben, egal was ich tue...
Noch eine Weile starre ich auf die Wunde, sehe, wie Tropfen um Tropfen meinen Arm herunter rinnt. Doch schließlich reiße ich mich los. Ich kann nicht ewig hier stehen bleiben, ich muss es endlich hinter mich bringen, sofort.
Mein Blick gleitet noch einmal durchs Zimmer. Es ist still, niemand ist hier, der mich beobachten könnte. Feanor schläft noch immer, er hat nichts bemerkt. Jetzt muss ich es tun, der Augenblick ist gekommen. Ich muss ihn umbringen, darf nicht daran denken, dass ich ihn immer noch liebe. Ich kann nicht zulassen, dass er so viel Unheil anrichtet! Bloß ein entscheidender Streich und alles ist vorbei. Er wird niemanden ins Verderben führen können. Ich hole aus, dieser eine Stich muss ihn umbringen. Wenn nicht, war alles umsonst. Er wird aufwachen und ich habe keine Möglichkeit mehr. Ich schließe die Augen, ich will nicht sehen was geschieht. Ich will nicht sehen, wie die Klinge seinen Körper durchdringt, wie das Blut aus seinem Leib läuft, wie alles Leben aus ihm weicht und er tot vor mir liegt...