Hier kann ich Euch den ersten Beitrag zum Thema "Die Dunkle Seite" präsentieren.
Er ist von Aaron Spacerider (Danke, dass Du ihn mir zur Verfügung gestellt hast!) und auch auf StarWars Union zu finden.


Über das Böse


von
Aaron Spacerider


Geehrte Leser, den heutigen Beitrag ... möchte ich einer Frage widmen, die mich seit längerem, genauergesagt seit meiner Lektüre der hervorragenden Kinderbücher über Jim Knopf (keine Lachanfälle bitte :-)), beschäftigt:
genießt das Böse es, böse zu sein? Was geht im Kopf eines Wesens vor, das sich der dunklen Seite ergibt? Ist da nur noch Platz für Haß, abgestumpfte Rachegelüste und Angst vor dem eigenen Leben, oder ist eine gewisse Berechnung dabei? An den Anfang meines Aufsatzes möchte ich ein Zitat stellen:

"Niemand der böse ist, ist dabei besonders glücklich[...]."

Dieses Zitat soll nun nicht als Tatsache, sondern als These gesehen werden, die ich versuchen will, im folgenden zu begründen. Das perfekte Beispiel, das für diese These spräche, wäre natürlich Darth Vader - schließlich kehrte er aus den Schatten zurück und starb in jeder Weise erlöst: von seinen Sünden, seinem Leben, seiner Vergangenheit und letztlich auch von den Schmerzen, die ihn auch Jahre nach seinem berühmten Kampf gegen Obi-Wan noch gepeinigt haben müssen. Doch letztlich war Darth Vader nie völlig böse, da ein gewisses Stück von dem jungen Anakin noch immer in ihm lebte, und so kann die These auch nicht anhand seines Weges bewiesen werden.
Einer aber wurde von allen Seiten als durch und durch böse bezeichnet. Seinen ersten Auftritt hatte er als Schatten, doch anders als die meisten Schatten, war Macht in ihm - genug Macht, um einen Mann wie Darth Vader vor sich knien zu lassen. Wer sich an seinen Kampf gegen Luke Skywalker erinnert, dem werden sicher auch seine haßerfüllten Blicke im Gedächtnis haften geblieben sein, die er mit jedem seiner Machtblitze in Luke hineinzubohren schien. Gibt es etwas gutes über den Mann zu sagen, der einmal Palpatine war? Er ließ Obi-Wan und Yoda nicht verfolgen. Doch das kann auch einer möglichen Unwissenheit geschuldet gewesen sein. Er ließ die Ewoks auf Endor leben. Hätte er sie Wert befunden, getötet zu werden, so wären die Bäume Endors mit verrottenden Ewok-Pelzen behängt gewesen. Bleibt also noch irgendetwas Gutes in ihm, das erwähnenswert wäre? Die Antwort lautet "möglich", und bis zur Veröffentlichung von Episode III im Mai 2005 und einer vollständigen Chronik seines Lebens muß man sich wohl mit diesem unbefriedigenden Zwischenstand zufrieden geben.
Doch nehmen wir einfach an, es war nichts gutes mehr in ihm, so daß er ein perfektes Beispiel für Das Böse schlechthin wäre. Läßt etwas in seinem Verhalten darauf schließen, daß er nicht glücklich damit war? Die erste Episode unserer geliebten Sternensaga kann man hierzu wohl kaum zu Rate ziehen. Das einzige, was er da von sich gab, waren Lügen - bzw. von einem gewissen Standpunkt aus auch Wahrheiten - und Befehle, in denen er durch Weisheit, Entschlossenheit und Machtbewußtsein auffiel. Sonderlich unzufrieden mit seiner Position als letzter Sithmeister in der ganzen Galaxis schien er mir allerdings nie zu sein. Im Gegenteil, selbst bei der Beerdigung eines seiner Todfeinde - die ihm ja gewissermaßen unter Beweis hätte stellen können, daß zwei Jedi ohne Probleme mit einem Sithlord fertig werden können - wirkte er fast glücklich, letztlich doch noch das entscheidende As im Ärmel, bzw. im Äußeren Rand zu haben, und schien mit sich und seiner Position als größter Feind der Jedi im reinen.
Bleiben noch drei weitere Filme, in denen er zeigen könnte, daß irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Film 1 bringt nicht viel Erleuchtung, schließlich taucht er (bislang) nicht einmal auf. Film 2 zeigt ihn als Herrn der Lage, der allerdings zunehmend von seinem Schüler bedroht wird. Sein "Ja. Ja. Er wäre von großem Wert für uns" zeigt deutlich, daß er schon wieder Pläne macht, die seine Herrschaft nach Vader sichern werden. Bleibt der letzte Film, Nr. 3, Die Rückkehr der Jediritter. Die erste Hälfte dieses Films zeigt ihn in seiner überlegenen Position, die er schon in den übrigen Filmen einnahm. Auch in der zweiten Hälfte ändert sich daran zunächst nicht viel. Zwar wird deutlich zum Ausdruck gebracht, daß er die gute Seite und ihre Denkweise nicht begreift, aber eine Unzufriedenheit mit seiner Bosheit läßt sich daraus nur schwerlich ableiten.
Ich will hier nun nicht alle Dialoge Palpatines aufrollen, sondern endlich zum Punkt kommen. Zum einzigen kleinen Punkt, der meine These meines Erachtens im Ansatz begründet. Folgende Situation wird letztlich erreicht: Luke wird von Palpatine angegriffen, Vader ringt mit sich, und entschließt sich zum Angriff auf seinen Herrn und Meister. Dieser Punkt muß näher beleuchtet werden: was tut Palpatine? Er setzt die dunkle Seite aktiv als Waffe ein, zwingt die Macht in seinen Körper, in seine Hände, steuert sie mit seinem Geist und formt sie zu Blitzen. Das heißt, er befindet sich im absoluten Kontakt zur Macht, sein ganzer Körper ist erfüllt von ihren Schmerzensschreien, von ihren verzweifelten Versuchen, dem Einfluß des Bösen zu entkommen. Das bedeutet, daß Palpatine sich völlig auf die dunkle Seite stützt, er entzieht der dunklen Seite Energie, um sie zu nutzen. Vader steht genau neben ihm, und ist immer noch ein Meister der dunklen Seite, also ein Brennpunkt von Machtenergie. In ihm wandelt sich nun etwas, die Konzentration der Macht läßt nach, langsam wird er innerlich passiv wie ein Jedi und läßt die Macht fließen, anstatt sie mit Gewalt zu packen. Nun meine Frage und einer meiner Punkte: müßte Palpatine das nicht spüren? Vader wendet sich ja nicht ruckartig ab, er läßt langsam, während eines schrecklichen inneren Kampfes los.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Palpatine eine solche Verschiebung in der Macht entgangen sein kann, selbst wenn er seinen Haß auf Luke konzentrierte.

Lassen wir diesen Punkt erst einmal ruhen, und wenden wir uns dem zweiten Punkt zu, der meiner Meinung nach belegt, daß Palpatine mit seiner Position unglücklich war: sein "Kampf" gegen Vader. War das ein Kampf? Er war ein Herr der dunklen Seite, unangefochtener Meister der Macht. Und da läßt er sich von einem angeschlagenen Krüppel mit Atemmaske einfach töten? Das mag so sein, sicher, aber in meinen Augen beweist dieser Punkt und der erstgenannte, daß er Vader nicht aufhalten wollte - daß er sterben wollte.
In Episode I war er über 50. In Episode II über 60. Bei seinem Tod ist er weit über 80. Wie viele Jahre davon hat er glücklich und in Frieden mit sich selbst verbracht? 10? 20 vielleicht? Und nun die Gegenfrage: wie lange war er dem Einfluß der dunklen Seite ausgesetzt? Wie lange hat sie ihn zerfressen, ihm seine Seele geraubt für die Macht, die sie ihm trügerisch gab, wie lange hat er diesen Virus in sich getragen? Ich persönlich führe diese Fragen einer Antwort, meiner These zu: er wollte sterben. Er wollte aus seinem dunklen Gefängnis fliehen, doch zu lange schon war er an seine zerklüfteten Mauern gekettet. Er war von ihm abhängig, mehr noch als Vader, der wenigstens noch einige Augenblicke ohne die dunkle Seite leben konnte, bevor er in die Macht einging. Letztlich wurde Palpatine meiner Ansicht nach also ebenso erlöst wie Vader, wenn er auch einen direkteren Preis zahlen mußte, weil er länger von seinen eigenen Ketten abhängig war.

Diese Beweisführung steht auf sehr wackligen Beinen, aber beziehen wir noch unseren letzten Sith im Bunde ein: Maul. Auch bei seinem Tod waren die Umstände recht seltsam. Er war Herr der Lage und lies sich töten.
An dieser Stelle kommen jetzt die Realisten und sagen "er mußte ja sterben, damit Obi-Wan überlebt und es ein Happy End gibt". Richtig, Star Wars ist eine Filmsaga und unterliegt den Regeln des Films. Doch hinter Star Wars steht eine perfekt ausgeklügelte Mythologie, die von den Midichlorianern über die Höhle auf Dagobah und Lukes Visionen bis hin zu den Jedi reicht, die sich auflösen, oder auch nicht auflösen.
Eins ist eine Tatsache: Maul war sehr jung, keinesfalls ein Meister der dunklen Seite und voll von Ungeduld, Rache und Haß. Auch in einem älteren Sith kommen solche Gedanken und Gefühle vor, gewissermaßen braucht er sie ja, um die Macht unter seine Knute zu zwingen. Aber im Gegensatz zu einem älteren Sithlord, ist ein junger Mann wie Maul noch nicht von der dunklen Seite abhängig. Er hat viel gelernt, aber die eine, fundamentale Wahrheit noch nicht: daß sein Ziel Erlösung heißt, selbst wenn er es nicht weiß.

In vielen Romanen, Filmen und Sagen kommt das manifestierte Böse vor. Und in den meisten Fällen wird es vernichtet. Wieso, muß man sich da fragen? Weil wir unseren Kindern glaubhaft versichern müssen, daß die Dunkelheit ihnen keine Angst machen muß? Weil wir an den Sieg des Guten glauben müssen, um unserem Dasein einen Sinn zu geben? Oder etwa doch, weil es wahr ist? Muß das Böse verlieren, ist es vielleicht einfach dumm? Nein, werden viele sagen, schließlich beherrscht es tagtäglich die Medien und somit unser Leben. Schließlich herrschen viele böse, alte, selbstverliebte Menschen über unsere Welt. Aber beweist nicht jeder Tag aufs Neue, daß das Böse dumm ist? Immer wieder lesen und hören wir von Menschen, die schreckliche Taten begehen, seien dies ein Mord, ein Staatsstreich oder ein Krieg. Aber letztlich verlieren diese Menschen, vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht einmal in ihren oder unseren Lebzeiten, aber ganz am Ende, verlieren sie. Sie müssen sich in Höhlen verkriechen, sich hinter Leibwächtern verstecken oder aus einem törichten Ehrgefühl heraus Selbstmord begehen. Sie geben ihr Leben auf, und existieren durch Lügen, durch Angst und durch Selbsthaß.

Ich fürchte, ich habe gerade den großen Teil meiner Leser entweder eingeschläfert oder auf ewig verschreckt. Keine Angst, die anderen Mitglieder des StarWarsUnion-Teams sind zurechnungsfähiger.

Aber laßt mich von diesem letzten Punkt auf die Frage nach der Klugheit des Bösen zurückkommen. Fakt ist, das Böse ist nicht klug genug, nicht böse zu sein. Fakt ist auch, daß es in den meisten Liedern und Sagen das Gute nicht begreift. Nehmen wir aus Anlaß von Peter Jacksons (meines Erachtens einfach gräßlicher und Tolkienverachtender) Verfilmung des Herrn der Ringe, Sauron, den dunklen Herrscher.
Ist er dumm? Nein, keinesfalls. Auf gewisse Weise ist er brilliant. Er verführt den Herrscher Gondors, er verführt Orks und Menschen, und sogar den einen oder anderen Elb, er pflanzt den Keim der Angst in die Herzen aller, die ihm zu widerstehen versuchen. Doch dann macht einige Fehler, für die er absolut nichts kann. Sie entsprechen einfach seiner Natur als Personifikation des Bösen: er versteht seine Feinde nicht. Als er durch einen der sehenden Steinen blickt, und einen Hobbit sieht, versucht er gar nicht erst, ihn zu verhören, nein, er versucht, ihn zu besitzen. Hätte er ihn sofort verhört, wäre ihm schnell klargeworden, daß der Ring unterwegs nach Mordor ist, und er hatte die Sache aussitzen können. Stattdessen erfährt er letzten Endes nichts und fällt seiner übergroßen Gier zum Opfer. Außerdem kommt er nicht auf die Idee, seine Grenzen sonderlich gut zu bewachen, weil er es einfach unlogisch findet, daß jemand seinen Ring vernichten könnte. Im Gegenteil, er glaubt, der Ring würde in der mächtigsten Festung des Feindes verborgengehalten, in Minas Tirith, der Hauptstadt Gondors, weil das genau das ist, was er anstelle seiner Feinde tun würde.
Nun ja, ich will mich mit Tolkien erst einmal nicht direkter beschäftigen, aber man sieht bei ihm sehr schön, daß das Böse nur das Böse sieht, während es das Gute nicht begreift.

Kommen wir damit zu Darth Maul zurück, und damit zur Frage, warum das Böse meist verliert. Eine Antwort haben wir, das Böse begreift seinen Feind nicht. In Star Wars kommt ein weiterer Grund hinzu, das Böse ist Teil des Guten (wie in Episode V deutlich wurde, als Lukes Gesicht in Vaders Maske erschien). Damit versteht sich das Böse selbst teilweise nicht, und ebensowenig sein eigenes Schicksal. Die Macht kontrolliert das Los eines jeden. Meiner Meinung nach, erkannte die Macht die Gelegenheit, Mauls Schicksal zu erfüllen, und ihn zu töten, um ihn somit zu erlösen, bevor er lange Jahre als Sklave der dunklen Seite erleiden mußte.

Und damit komme ich nun langsam zum Ende. Fragen wir uns noch einmal, ist das Böse glücklich über seinen Zustand: mein Ergebnis ist nicht eindeutig. Maul ist ein Beispiel für jemanden, der glücklich darüber ist, Böse zu sein. Sein Schicksal aber, sein gutes Selbst, strebt ins Licht, und damit für das Böse in den Untergang. Obwohl Maul es selbst nicht will, muß er sich erlösen, muß er sich von seinem dunklen Selbst trennen. Tut er dies nicht, wird die Trennung gewaltsam vollzogen, und die Macht führt das Schwert eines ihrer wahren Diener gegen ihren verlorenen Sohn. Schicksal und Erfüllung führen also letztlich zum Scheitern aller bösen Absichten und höhlen diese aus, bis sie sich selbst erkennen und auf ihre Vernichtung hinarbeiten, oder zusammenbrechen.

Willkommen - die Wärme des Lebens greift nach mir.
Durchströmt meine Adern, erleuchtet mein Blut.
Willkommen - die Stärke des Lebens ruft voller Gier.
Sie nimmt mich, tanzt mit mir, gibt Kraft und Mut.

Freiheit - sie öffnet die Tür ins wahre Sein.
Weht mächtig, wie der Sturm der Zeit.
Freiheit - ich bin nie mehr allein
Wenn Gedanken mich rufen zur Ewigkeit.

Tränen - sie, die Spuren meines Schattens Gang
Verfolgen mich, wohin ich mich auch wende
Tränen - ich seh' die Welt durch ihren friedlichen Klang
Sie nässen das Werk meiner blutigen Hände.

Feuer - es zehrt meines Lebens Dauer
Wirft mich zurück in meines Schicksals Schlund
Feuer - wird ewig zur finsteren Mauer
Die wehrhaft erstickt alle freundliche Kund.

Abschied - er wird mich mit Freude im Antlitz sehen
Und Freiheit wird siegen, wenn Tränen und Feuer verschwinden
Abschied - aufrecht will ich im Garten des Todes stehen
Wenn endlich die Schatten der Zeit erblinden.