Fanfiction - Eine Galaxis weit, weit entfernt und ihre begeisterten Anhänger Hobbyautoren in der Lucas'schen Welt


Fanfiction (oder Fan-Fiction, FF, im deutschsprachigen Raum auch Fanfiktion) ist ein Oberbegriff, der sich auf literarische, bildliche oder andere Werke bezieht, die in der Regel von "Laien" geschaffen werden und mit denen sich die enge Verbundenheit zu einem Originalwerk ausdrücken lässt.
In den Anfangszeiten der Fanfiction handelte es sich um schriftstellerische Originale, während wir heute praktisch zu allem und jedem Fanfiction finden. Egal ob es ein Buch, ein Film, ein Computerspiel, eine Band, ein Musical, ein Comic oder ein einzelner Schauspieler ist.
Begeisterte Anhänger drücken ihr Fansein auf vielerlei Arten aus: sie kostümieren sich, sammeln Figuren oder Bücher, reisen ihrer Lieblingsband hinterher, tapezieren ihre Zimmer mit Postern, malen oder - schreiben. Und genau darum soll es hier gehen: Fanfiction in Form von Prosa und Poesie (auch wenn diese relativ selten vorkommt).

Die moderne Fanfiction nahm ihren Anfang nach einhelliger Meinung mit der Fernsehserie Star Trek, die Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre über die Bildschirme flimmerte und deren abenteuerliche Erzählungen über Kirk und Co. die Fans schnell in ihren Bann zogen und einige unter ihnen dazu inspirierte, neue Geschichten über ihre Helden zu erfinden, die in Fanmagazinen (Fanzines) veröffentlicht wurden.
Andere Fan-Gemeinschaften (Fandoms) schlossen sich an.
Aber erst mit der Verbreitung von Internetzugängen können Fanfictions ein Massenpublikum und die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit erreichen. Der englischsprachige Bereich war Vorreiter, aber mittlerweile sind auch hierzulande zahlreiche Webpräsenzen der Fanfiction gewidmet oder haben Fanfiction-Bereiche, die mal mehr, mal weniger viele Geschichten aufweisen.

Die Fanfiction steht praktisch jedem offen, der sich als Hobbyautor auf einem Gebiet versuchen möchte, das ihm Freude bereitet und er kann sich über das Internet vielen Gleichgesinnten mitteilen. Einerseits ist dieser Umstand sehr positiv zu sehen, andererseits bewirkt er aber auch, dass sich eine Masse an Geschichten ansammelt, die von Thematik und Stil her einen Einheitsbrei ergeben, wie man in vielen großen Archiven oft beobachten kann, die ihren Mitgliedern ermöglichen selbständig ihre Geschichten online zu bringen, ohne dass eine Selektion vorgenommen wird.
Dies geschieht eher bei kleinen, meist von Einzelpersonen betreuten Seiten, auf denen eine Auswahl erfolgt, die dem Konzept der entsprechenden Seite Rechnung trägt.

So ist es auch bei der Fanfiction zu Star Wars, deren deutschsprachigem Bereich wir uns im folgenden widmen wollen.
Wenn von "Star Wars-Fanfiction" gesprochen wird, dann denken die meisten sofort an Geschichten, die die Filme betreffen. Und damit liegt man nicht falsch, denn auch wenn es Fanfiction zum so genannten EU (Expanded Universe, dem erweiterten Universum) gibt, ist es die filmbezogene Fanfiction, die zuerst ins Blickfeld eines Großteils der Leser und Autoren kommt, was nur logisch ist, denn die Star Wars Filme sind ja die Basis des EU. Ohne Filme, keine Fanfiction.

Lucas' Schöpfung und ihre Ableger bieten für den Fanfiction-Autor eine gewaltige Fülle an Informationen und einen Rahmen, der mittlerweile so groß (und immer noch am wachsen) ist, dass er sich kaum abstecken lässt und Raum bietet, um die Gedanken zahlreicher Autoren, Comiczeichner und Spieleentwickler fortzuführen oder gar zu ergänzen, denn das Star Wars Universum hat Nischen und zwangsläufig Lücken, die zum Schreiben einer Fanfiction geradezu einladen.

Und damit wären wir bei den Gründen für die literarische Beschäftigung des Fans mit Star Wars. Also: was streben die Fans mit ihren Geschichten an, wenn sie das Schreiben von Fanfiction ernsthaft betreiben?
Sie versuchen, das von Lucas geschaffene Werk zu interpretieren, auszuloten und zu erweitern - dies immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass sich die Geschichten in das vorgegebene Ganze harmonisch einfügen.
Ich spreche hier wohlgemerkt vom seltenen Idealfall des Schreibens, denn wir finden diverse Abstufungen, die von eng an Lucas' Vorgaben angelehnten Geschichten über augenzwinkernde Parodien bis hin zu absolut unwürdigen Machwerken reichen, die mit Star Wars nichts mehr gemein haben, weil sie seine Welten und ihre Gesetze quasi auf den Kopf stellen.

Je nach Intention und Können des Autors variiert die Qualität der Geschichten sowohl inhaltlich als auch stilistisch beträchtlich. Beim Stil kann man natürlich geteilter Meinung sein und - anders als bei Tolkien - ist keine "Gesetzmäßigkeit" in diesem Bereich auszumachen.
Inhaltlich begegnet uns bei der Star Wars-Fanfiction vieles. Abenteuergeschichten bedienen die Leser, die Spannung und Aktion mögen, für Romantiker sind Liebesgeschichten vorhanden, wer gerne lacht, kann sich humorvollen Texten zuwenden; darüber hinaus bietet sich Star Wars für dramatische und nachdenkliche Themen an. Überall reicht die Bandbreite von erstklassiger Erzählkunst bis zu schauderhaften Ergüssen, wobei natürlich der Geschmack des Lesers bei der Beurteilung eine Rolle spielt.

Dennoch, ein Autor sollte sein Handwerk zumindest in groben Zügen beherrschen; selbst wenn er das Schreiben nur als Hobby betreibt. Eine Geschichte steht und fällt nicht nur mit ihrem Inhalt, sondern auch mit der Art und Weise, wie dieser sich darstellt.
Hier sind ihm Rahmen der eben allgemeinen Konventionen durchaus viele Möglichkeiten vorhanden, die von der klassischen Erzählperspektive über den Ich-Erzähler, die Verwendung unterschiedlicher Zeitformen und epischer Ausdrucksweise, bis hin zu Experimenten geht, die vom Leser intensives Mitdenken erfordern.

Allerdings ist ein Schwächeln beim Drumherum einer Fanfiction (und bei der Rechtschreibung) nicht unbedingt ein Hindernis, sofern der Inhalt einer Geschichte um seiner selbst Willen Anklang findet, weil er die Erwartungen einer Leserschaft bedienen kann, die nach bestimmten Geschichten Ausschau hält.
Die Leser sind tolerant, dabei aber durchaus wählerisch; wenn auch nicht unbedingt im positiven Sinne.
Es lassen sich hier einige Tendenzen beobachten, die Star Wars-Puristen nicht gefallen; sie betreffen jedoch nicht nur das Star Wars-Fandom, sondern sind eine allgemeine Erscheinung der Fanfiction und als solche wohl als gegeben hinzunehmen.
Es finden sich zunehmend Inhalte, die unsere sexualisierte Gesellschaft in all ihren Facetten mit unterschiedlich deutlichen Beschreibungen widerspiegeln und auch den Gewaltaspekt nicht außer Acht lassen, was in der akribischen Schilderung von Vergewaltigungen und ähnlichen Szenen Ausdruck findet.

Viele Geschichten drehen sich um einige wenige Charaktere, von denen Obi-Wan zweifelsohne einer der beliebtesten ist, und können als Wunschvorstellungen von Autoren- und Leserschaft beurteilt werden, die weniger das Lucas'sche Original im Blick haben und sich in dessen Rahmen bewegen wollen, sondern letztlich schauspielerfixierte Spielwiesen sind, auf denen Ewan McGregor eben als Obi-Wan auftritt, um bei ihm als Beispiel zu bleiben.

Fanfiction bietet für Autoren und Leser aber nicht nur die Befriedigung von Wunschvorstellungen aller Art oder die Würdigung des Lucas'schen Schaffens. Sie beinhaltet auch - oft in Verbindung mit den eben genannten Merkmalen und ihren Abstufungen - die Einbeziehung der eigenen Persönlichkeit in eine fiktive und geliebte Welt, sei es durch eine so genannte Mary Sue (dazu unten noch etwas mehr) oder den Entwurf eines Originalcharakters (im Sinne einer Eigenkreation, die im Originalwerk nicht vorkommt), durch die Gestaltung bekannter Charaktere in neuen Handlungen, die durch die so genannte self insertion bewusst oder unbewusst Merkmale des Autors annehmen können und nicht zuletzt durch die Schöpfung eigenständiger Erzählstränge ohne bekannte Gestalten innerhalb des Star Wars Universums, die sich seiner Vorgaben bedienen, um der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen oder eigene Erfahrungen wie Trauer und ähnliches zu verarbeiten.

Häufig hört man auch das Argument, dass das Schreiben einfach nur Spaß machen soll und keinen besonderen Hintergrund habe; ein durchaus legitimer Vorsatz, der aber zu Trugschlüssen führen kann, sofern die Beschäftigung mit der Fanfiction zu einer langjährigen und intensiv ausgeübten Tätigkeit wird.
Denn das Schreiben ist eigentlich harte Arbeit, die häufig mit dem Ringen um eine Idee beginnt, sich über gewissenhaftes Recherchieren fortsetzt, eine Skizzierung von Handlung und Charakteren nach sich zieht und im nicht selten monatelangen "zu Papier bringen" einer Geschichte gipfelt.
Aus dem Hobby kann durchaus eine Passion werden.

Viele Autoren haben Lieblingscharaktere, denen sie ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Manch einer mag die Jedi besonders und beschäftigt sich durch die Fanfiction mit ihnen, andere fühlen sich den Kopfgeldjägern verbunden und selbst die dunklen Gestalten - die Sith und ihre prominentesten Vertreter Darth Vader, Darth Sidious/Palpatine und Darth Maul -, die doch eigentlich weniger als Identifikationsfiguren oder mainstreamtauglich empfunden werden, fehlen in der Fanfiction nicht. Ich meine, hier sogar eine recht ausgewogene Balance zwischen den "Guten" und den "Bösen" ausmachen zu können.
Es findet häufig diese Schwerpunktsetzung statt, die dazu führen kann, dass die Suche nach Informationen zum Lieblingscharakter für den Autor eine Vertiefung in das Werk Lucas' zur Folge hat. Dieser Umstand tritt aber nicht zwingend ein, denn viele Autoren legen nur wenig Wert auf die Stimmigkeit ihrer Geschichte im Hinblick auf Lucas' Schöpfung, eben weil das Schreiben halt "nur" Spaß machen soll.

Star Wars-Fanfiction begegnet uns - wie wir gesehen haben - mit unterschiedlichen Inhalten, stilistischen Merkmalen und Qualitäten ... und auch Längen.
Sie kann sich durch eine Geschichte mit nicht mehr als einhundert oder tausend Wörtern ausdrücken, die sehr oft im Rahmen eines Wettbewerbs entsteht, eine kurze Geschichte von vielleicht fünf bis fünfzehn Seiten umfassen oder gar einen Umfang von mehreren hundert Seiten annehmen und damit Buchcharakter bekommen. Autoren entwickeln aus einer Geschichte häufig mehrere, die sich aufeinander beziehen und so ebenfalls einen großen Umfang erreichen.

Auch in Poesieform finden wir Fanfiction zu Star Wars. Sie fristet allerdings ein Nischendasein, da sie recht selten ist und kaum beachtet wird. Zugegebenermaßen bietet sich Star Wars mit seiner technisierten Welt nicht unbedingt für Gedichte an; andererseits sind die klassische Thematik Gut-Böse, die Liebesgeschichte zwischen Anakin und Padmé oder die Zeit der Alten Republik mit ihren archaischen Strukturen immer für ein Gedicht gut.

Leider - und manchmal auch zu recht - wird die Fanfiction gerne belächelt oder als merkwürdige Subkultur beargwöhnt, obgleich sie ihre Daseinsberechtigung hat und auch von etablierten Autoren nicht geschmäht wird. So hat sich zum Beispiel Tanja Kinkel, bekannt für ihre historischen Romane, schon per Fanfiction mit Star Wars befasst. Diese spezielle Art des Fanseins hat Salonfähigkeit erreicht, könnte man sagen.
Das Bestreben, der Fanfiction einen "professionellen" Hintergrund zu geben, zeigt sich in der Verwendung einer ganzen Reihe von "Fachbegriffen", die sich allgemein eingebürgert haben und übergreifend für alle Fandoms gelten (von einigen Ausnahmen abgesehen) - sei es nun Star Trek, Akte X oder eben Star Wars.
Diese Begriffe, die, neben anderen Angaben, an den Anfang einer Geschichte gestellt sind, sollen den Lesern Anhaltspunkte sein und ein Ordnungsschema bieten, in dem die Geschichten ihren Platz finden.

Üblicherweise werden die Gattungsbegriffe aus der Literaturwissenschaft übernommen, sodass man auch in der Fanfiction von Drama, Abenteuer, Romantik oder Humor spricht, wenn die Themen der Geschichten diesen Genres entsprechen.
Erklärungsbedürftig sind vermutlich die spezifischen Begriffe Kanon, Expanded Universe, Alternatives Universum und Crossover, die man als Unterkategorien der Genres bezeichnen kann; vor allem die beiden ersten gehören eng zusammen und bieten immer wieder Anlass zu Diskussionen, insbesondere was die Gültigkeit der in ihnen enthaltenen Informationen angeht.

Als Kanon (auch Canon) wird der Rahmen bezeichnet, innerhalb dessen Gesetzmäßigkeiten sich eine Fanfiction bewegt, wenn sie die festen und unveränderlichen Gegebenheiten des Originals einhält - seien es historische Tatsachen und geographische Besonderheiten die die Welten von Star Wars beschreiben oder Verhaltensweisen, die Lucas seinen Charakteren gegeben hat. Kanonische Star Wars-Fanfiction lässt sich am besten als Fanfiction definieren, die sich an die Grundregeln der Filme hält, denn diese bilden nun unleugbar den Ursprung des Star Wars Universums.

Das Expanded Universe, das erweiterte Universum, geht einen Schritt weiter, wie der Name schon andeutet. Es umfasst all die anderen Medien, die sich mit Star Wars beschäftigen. Als erstes seien natürlich die zahlreichen Romane genannt, die sich einer breiten Zeitspanne um die Ereignisse in den sechs Filmen widmen, aber auch die Comics haben mittlerweile - von ihren Marvelanfängen bis heute - ein enormes Ausmaß erreicht. Ferner darf man die Computerspiele nicht vergessen und mit der geplanten TV-Serie eröffnet sich vermutlich ein weiteres Spielfeld für die Fanfiction-Begeisterten. Allen genannten Formen ist gemeinsam, dass sie die Filme fortführen oder einleiten, Hintergründe beleuchten (die Geschichte des Jedi-Ordens oder der Sith), sich bestimmten Ereignissen oder Charakteren widmen und somit in vielen Fällen eine Bereicherung darstellen, weil sie neue Informationen vorhalten, neue Welten und Charaktere einführen und neue Abenteuer erzählen.

Das Alternate Universe bildet praktisch das Gegenstück zum Kanon und auch zum Expanded Universe, das seinerseits dem Kanon verpflichtet ist (oder es zumindest sein sollte, George Lucas hat darauf ein wachsames Auge), denn in diesem Alternativen Universum sind die Regeln außer Kraft und quasi alles ist möglich.
Hier tummeln sich die Geschichten, in denen Darth Vader "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" überlebt, die Rebellion dem Imperium unterliegt, unser richtiges Leben sich im Star Wars Universum wiederfindet, Obi-Wan mit Padmé anbandelt und was die Phantasie der Autoren sonst noch ausbrütet, das nicht regelkonform ist.
Dieses Spielen mit Eventualitäten ist übrigens durch Lucas selbst in einigen offiziellen Fällen abgesegnet, wenn wir zum Beispiel an die Infinities-Comics denken, die der Frage "Was wäre, wenn ...?" nachgehen.

Eine Crossover-Geschichte ist dem AU zuzurechnen, denn ein Crossover bringt verschiedene Fandoms - meist zwei - zusammen. So kann es vorkommen, dass Captain Picard einen fingerschnippenden Q verfluchen darf, der es doch nur gut gemeint hat und der Crew der Enterprise einen Aufenthalt in einem anderen Universum gönnt, das sich zufälligerweise in einem galaktischen Bürgerkrieg befindet.

Ein oft verwendeter Begriff ist nicht zuletzt "Mary Sue" (der seinen Ursprung und seine Bedeutung übrigens der Star Trek Fanfiction verdankt). Eine Mary Sue bezeichnet eine Geschichte, in der sich ein zumeist weiblicher Charakter wiederfindet, der alle wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Vorzüge auf sich vereint, die ein Mensch oder menschenähnliches Alien nur besitzen kann. Wir haben es hier also mit einer Art "Übermädchen" zu tun, das außerordentlich schön, mutig, intelligent und was auch immer ist und welches als Alter Ego der Autorin herhalten kann und den schon genannten Wunschvorstellungen Rechnung trägt. Diese Art von Geschichten genießen gemeinhin keinen guten Ruf, obwohl auch für sie gilt: es gibt gute und schlechte.

Mehr noch als auf diese übergeordneten Einteilungen gehen die Begriffe jedoch auf den Inhalt einer Fanfiction ein. Da trifft man auf kryptische Abkürzungen wie PWP oder BDSM, Lime, Lemon, het, slash, out of character, point of view und viele andere Ausdrücke, die dem eingeweihten Leser verraten, dass eine Geschichte sich mit sexuellen Inhalten befasst, was die ersten sechs Begriffe kundtun, dass ein Charakter sich nicht so verhält, wie die Leserschaft es aufgrund seiner Skizzierung durch Lucas und Co. erwarten sollte und welche Erzählperspektive der Autor gewählt hat. Der weiter oben schon angedeuteten Sexualisierung ist die Mehrzahl dieser "fachsprachlichen" Ausdrücke geschuldet.

Zu guter Letzt sind in der Fanfiction auch Begriffe zu finden, die sich weder direkt auf die Geschichte, noch ihren Inhalt beziehen, aber mit ihr verwoben sind. Welcher Autor möchte kein "Feedback" (wartet also auf Kommentare) oder ist nicht schon mal an einem "Summary" verzweifelt (tat sich mit einer kurzen, aussagekräftigen Zusammenfassung schwer), hat seinem "Beta Reader" (Korrekturleser, fast möchte man sagen Lektor) gedankt oder versucht mit dem "Disclaimer" (einer Art rechtlicher Absicherung) den Zorn der Rechteinhaber von sich zu wenden oder mit dem Rating (der Alterseingruppierung) die jungen Leser von ungeeigneten Geschichten fernzuhalten.
Innerhalb der Fanfiction hat sich also ein Vokabular entwickelt (bzw. ist im deutschsprachigen Raum übernommen worden, wie die Verwendung des Englischen zeigt), dass von einer Gemeinschaft verwendet wird.

Und damit wären wir bei denjenigen die Fanfiction schreiben und lesen. Um hier genaue Auskunft geben zu können, müssten sich die Sozialwissenschaftler aufmachen und Studien betreiben.
Einige verallgemeinernde Aussagen zur Gemeinschaft der Star Wars-Fanfiction-Fans lassen sich aber treffen:


    - Autoren und Leser sind meiner Ansicht nach sowohl unter Frauen als auch Männern in relativ ausgewogenem Maße zu finden (das dies nicht die Regel ist, zeigt übrigens ein Blick in den Fanfictionbereich zu Tolkien),
    - vom Alter her dürfte ein Großteil der Fanfiction-Aktiven im Star Wars Fandom zwischen 12 und 35 Jahren sein; mit Ausnahmen nach unten und oben natürlich,
    - Kontakte mit der Fanfiction sind bei Autoren und Lesern wohl in der Regel auf die Filme, in diesem Fall auf die Episoden I-III (der Originaltrilogie fehlte die massenhafte Verbreitung der Fanfiction durch das Internet damals), zurückzuführen,
    - Autoren und Leser "treffen" sich häufig im Rahmen der großen Fanfiction-Archive, die das Internet zu bieten hat und bilden - je nach Schreib- und Lesevorlieben - Cliquen, in denen Gedankenaustausch und gegenseitige Unterstützung herrschen, aber oft wenig konstruktive Beschäftigung mit den Geschichten,
    - in den bekannten Archiven herrscht das Gesetz von Angebot und Nachfrage, dessen sich die Autoren sehr wohl bewusst sind und damit die Wünsche der Leser bedienen, die ihrerseits auf die Autoren einwirken können.

Wenn in diesem Zusammenhang immer von den bekannten Archiven die Rede ist, dann ist das dem Umstand geschuldet, dass sich hier aufgrund der Masse an Geschichten naturgemäß auch viele Autoren und Leser tummeln.
Kleine Fanfiction-Seiten können allerdings auch rege Gemeinschaften versammeln, die neben dem Schreiben und Lesen häufig in Form von Foren Gedankenaustausch zur Fanfiction und zu Star Wars betreiben. Diese Seiten haben sich oft einen Schwerpunkt gesetzt - Slash-Fanfiction, Obi-Wan-Fanfiction, Darth Vader-Fanfiction, ausgewählte Geschichten etc. - und haben eine dementsprechende Autoren- und Leserschaft; hier dürften die Gemeinschaften weitaus homogener sein, als in den großen Archiven.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zur rechtlichen Seite der Fanfiction loswerden, denn immerhin verwendet Fanfiction das geistige Eigentum anderer.
Die Fanfiction allgemein und daher auch zu Lucas' Werken bewegt sich meiner Ansicht nach in einer Grauzone. Die Autoren sind nicht berechtigt ihre Geschichten über Star Wars zu schreiben und der Allgemeinheit zugänglich zu machen, auch wenn es nicht im Hinblick auf eine Gewinnorientierung oder allgemeine Vermarktungsabsichten geschieht (denen wird schnell ein Riegel vorgeschoben). Dass sie es trotzdem bis dato tun dürfen, ist meines Erachtens ein Glücksfalls und dem Umstand geschuldet, dass Fanfiction auch eine Art Werbung für den Gegenstand des Interesses - hier Star Wars - ist.

Ein hartes Vorgehen von Lucas Licensing als Rechteverwalter gegen die schreibende und lesende Fangemeinde ist wohl eher nicht zu erwarten (obwohl ich meine, mich erinnern zu können, dass vor einiger Zeit ein Vorstoß gegen die Seiten mit Geschichten einschlägigen Inhalts unternommen wurde), aber liegt im Rahmen des Denkbaren, wie andere Autoren schon bewiesen haben, indem sie sich vehement gegen Fanfiction zu ihren Werken verwahren und die (Internet)Fangemeinden zähneknirschend zum Rückzug bewegen.

Schon aus dem Grund, ungehindert an der Gedankenwelt eines anderen teilhaben zu dürfen - und mehr noch aus Verbeugung vor dem Lucas'schen Schaffen - sollte sich die Fanfiction deshalb als Hommage verstehen.
Leider ist dies selten der Fall, aber angesichts der Merkmale von Fanfiction, ihren unterschiedlichen Inhalten und Ausdrucksformen und der ebenso unterschiedlichen Vorlieben von Autoren und Leserschaft eine wenig realistische Forderung.

Dairyu im Februar 2006

Dieser Text ist die abgewandelte Variante meines Beitrags "Fanfiction - Mittelerde und seine begeisterten Anhänger. Hobbyautoren in der Tolkien'schen Welt".





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